Inhaltlicher Grundkonsens von FFF Darmstadt

Dieser Grundkonsens ist die inhaltliche Grundlage unserer Arbeit. Fridays for Future Darmstadt versucht, alle in diesem Text beinhalteten Punkte bei Aktionen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die im Folgenden genannten Punkte sind durch Plenarbeschlüsse abänderbar. Grund dafür sind die immerwährenden Veränderungen auf politischer und wissenschaftlicher Ebene.Unser öffentliches Auftreten und das Zusammenarbeiten mit anderen Gruppierungen darf keinem dieser Punkte widersprechen. Gleichzeitig ist es für uns die Grundlage für inhaltliche Diskussionen. Wir verstehen uns als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung und zeigen in dieser Ausarbeitung auf, was uns mit anderen Bewegungen und Akteur*innen verbindet und weshalb die anschließenden Inhalte für uns mit Klimagerechtigkeit verknüpft sind. 

Unite behind science
Unser Engagement gegen die Klimakrise und für Klimagerechtigkeit basiert auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Ursachen und Folgen des menschengemachten Klimawandels. Aus diesen Erkenntnissen geht deutlich hervor, dass wir das 1,5°-Ziel einhalten müssen, um das Aussterben von unzähligen Spezies und die daraus folgende Bedrohung für die Ökosysteme – unsere Lebensgrundlage – zu verhindern. Bereits bei 1,5°C Erderwärmung gibt es soziale Verwerfungen und ökologische Probleme. Aber die 1,5°-Grenze ist ein realistisches Ziel, das sozialverträglich und solidarisch umgesetzt werden muss. Dafür bleibt den Industrieländern nur noch ein immer knapper werdendes CO2-Budget (1). Wir setzen uns dafür ein, dass nicht mehr ausgestoßen wird, als uns nach einer gerechten Verteilung unter Berücksichtigung der historischen und globalen Emissionen (2) zusteht. Wir sehen es in unserer Verantwortung, die Erkenntnisse der Wissenschaftler*innen in den gesellschaftlichen Diskurs zu tragen und anzuerkennen, dass die Klimakrise nicht nur durch technische, sondern vor allem durch soziale Lösungen zu bewältigen ist. 

Demokratie & Jugend
Die Klimakrise ist ein globales Problem und braucht dementsprechend über den Nationalstaat hinausgehende Lösungen. Für uns ist es selbstverständlich, einen demokratischen Weg aus der Klimakrise zu finden. Trotz Millionen Demonstrierender scheitert unser aktuelles politisches System daran, Lösungen für die Klimakrise zu finden. Die Klimapäckchen und nicht bindenden Klimaziele sind gute Beispiele dafür. Wir finden es kritisch, dass sich unsere effektiven demokratischen Entscheidungskompetenzen darin erschöpfen, alle paar Jahre wählen zu gehen. Wenn wir unter 18 sind, überlassen wir überwiegend älteren Menschen unsere Zukunft.Wir als Jugendbewegung kämpfen für mehr Möglichkeiten, unsere Zukunft aktiv mitgestalten zu können. Um unseren Forderungen nach konsequentem Klimaschutz mehr Ausdruck zu verleihen, haben wir das Mittel des zivilen Ungehorsams (Schulstreik) gewählt.Der Klimawandel führt nicht nur zu ökologischen, sondern auch zu sozialen Verwerfungen. Unser System scheitert daran, marginalisierte Gruppen (3) (bspw. migrantische, prekarisierte (4) & FLINT- (5) Gruppen) gleichberechtigt einzubinden. Teile dieser Gruppen sind von der Klimakrise besonders betroffen und müssen somit an der Erarbeitung der Lösungen beteiligt sein. Nur indem wir auch soziale Ungleichheiten thematisieren, können wir es angehen, den wirtschaftlich und sozial schwächeren Teil der Bevölkerung zu erreichen, der momentan bei uns unterrepräsentiert ist. Scheinlösungen der Klimakrise, die nur auf dem Rücken von diesen Menschen lasten, lehnen wir entschieden ab. Wir sind davon überzeugt, dass eine Einbindung aller Menschen mit Basisdemokratie (6) und Entscheidungskompetenzen in Nachbarschaft, Schule und am Arbeitsplatz möglich ist. 

Bedürfnisorientierte Wirtschaft
Im aktuellen Wirtschaftssystem stehen Profite (7) im Mittelpunkt, keine Menschen. Dies führt zu zerstörerischer Ausbeutung von Mensch und Natur. Die meisten Menschen haben nicht die Möglichkeit, die Klimakrise durch den Konsum (8) „nachhaltiger“, meist teurer Produkte zu lösen. Deswegen können Lösungen, die nur auf den individuellen Konsum abzielen, nicht alle Menschen mitnehmen und somit keine gesamtgesellschaftliche Lösung sein. Im Gegenteil: Durch das Propagieren teurerer Produkte verlieren wir einen großen Teil der Bevölkerung. Wir stehen für eine andere, solidarische Wirtschaft ein, in der der Mensch und die Natur im Mittelpunkt stehen, in der nach den Bedürfnissen Aller und nicht nach Profiten gewirtschaftet wird. Nur so können wir die Ursachen und Auswirkungen der Klimakrise gemeinsam bewältigen. Ein sicherer Umbau der Wirtschaft ohne den Abbau von Arbeitsplätzen, kann nur mit und durch die Arbeitnehmer*innen funktionieren. Wir sind solidarisch mit Menschen, die durch profitorientierten Umbau der Unternehmen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Konkret fordern wir:

  • Energiewende
    Um konsequenten Klimaschutz umzusetzen, ist die Energiewende eine der wichtigsten Maßnahmen. Dabei setzen wir uns für eine dezentrale Energieversorgung ein. Wir halten das für den besten Weg, um lokale Ressourcen wie Nebenprodukte der Land- und Forstwirtschaft oder Wind und Sonne zu nutzen. Zudem kann die Stromproduktion an die Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort angepasst und der Bau von umweltschädlichen Stromtrassen vermieden werden. Eine dezentrale Energieversorgung ist der einzige Weg, die Entscheidungen über die Stromproduktion wieder in die Hände der Verbraucher*innen zu legen.
  • Verkehrswende
    Unsere Mobilität basiert zur Zeit auf motorisiertem Individualverkehr. Das ist in keinster Weise die effizienteste Art der Mobilität. Es werden viele Treibhausgase emittiert, es wird viel Platz verbraucht und Menschen mit einem größeren Vermögen können sich mehr Mobilität leisten. Der Grund dafür ist, dass sich damit mehr Geld verdienen lässt. An einem Auto oder Flug wird nunmal mehr verdient als an einer Fahrt mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad. Wir fordern ein Verkehrssystem, das sich an den Bedürfnissen der Nutzer*innen orientiert und eine hohe Mobilität mit geringen Emissionen für Alle bietet. Dazu brauchen wir Straßen, die sich an Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen orientieren und einen öffentlichen Nah- und Fernverkehr, zu dem Alle – unabhängig von Einkommen und Wohnort – Zugang haben. Dieser darf nicht unattraktiver sein, als klimaschädliche Fortbewegungsmittel, wie Auto und Flugzeug. 
  • Gesundheit
    In unserem Gesundheitssystem wird seit Jahrzehnten gespart. Darunter leiden die Angestellten, die immer weniger Geld zur Verfügung haben und gleichzeitig immer mehr leisten müssen, die Ausstattung der Krankenhäuser und vor allem die Kapazitäten unserer Gesundheitsversorgung. Das ist katastrophal, da die Klimakrise auch eine Gesundheitskrise sein wird. Durch hohe Temperaturen werden besonders alte Menschen häufiger versorgt werden müssen und durch das veränderte Klima breiten sich bei uns Krankheiten aus, auf die wir nicht vorbereitet sind. Da es für uns nicht akzeptabel ist, eingespartes Geld gegen Menschenleben aufzurechnen, fordern wir einen radikalen Ausbau des Gesundheitssystems. Dadurch wird unsere Gesellschaft anpassungsfähiger an Klima- und sonstige Veränderungen und aus der Klimakrise resultierende Bedrohungen. Dazu gehört für uns, dass Pfleger*innen und andere Angestellte einen fairen Lohn für ihre Arbeit bekommen, der es ihnen ermöglicht, sich außerhalb der Arbeit auch wirklich zu erholen. 
  • Stadt für Alle
    Wir können bereits beobachten, wie vor allem marginalisierte Gruppen aus unseren Städten verdrängt werden. Das Schaffen von ökologischem Wohnraum muss auf eine Weise geschehen, die dazu nicht weiter beiträgt. Das Aufwerten von alten Gebäuden zu modernem, ökologischem Wohnraum ist teuer. Gleichzeitig schadet Neubau immer unserer Umwelt. Daher setzten wir uns dafür ein, bestehende Gebäude ökologisch sinnvoll zu nutzen und sie Menschen, die von Verdrängung bedroht sind, zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört es auch, ökologischen Wohnraum außerhalb der Städte durch bessere Infrastruktur attraktiver zu machen. 

Antirassismus
Die Klimakrise ist nicht nur ein technisches Problem. Wir kämpfen für Klimagerechtigkeit, weil durch die Klimakrise tausende Menschen – vor allem aus dem globalen Süden (9) – schon jetzt zur Flucht gezwungen und in ihrer Existenz bedroht sind – Millionen werden folgen. Unsere imperiale Lebens- und Wirtschaftsweise (10) im globalen Norden (11) hat dieses Ungleichgewicht verursacht. Deswegen sind wir verantwortlich dafür, die Auswirkungen dieser Krise auf die davon betroffenen Menschen so gering wie möglich zu halten. Diese Menschen – meist IPOC (12) – werden oft durch die herrschenden Machtverhältnisse unterdrückt und unsichtbar gemacht.Um diesem Rassismus entgegenzuwirken, müssen sie sichtbar gemacht werden. Auch unsere Demonstrationen sind nicht vielfältig genug und Menschen mit Migrationshintergrund (13) sind unterrepräsentiert. Das müssen wir ändern, indem wir rassistischen Strukturen (14) entschieden entgegentreten. 

Feminismus
FLINT-Personen sind aufgrund ihrer sozial benachteiligten Situation noch stärker von der Klimakrise betroffen. Wegen ihrer finanziellen Abhängigkeit können sie meist schwerer fliehen. Zudem leiden viele Frauen unter der ungleich verteilten Sorgearbeit (15), wie hauswirtschaftlichen Aufgaben und der Verantwortung für Kinder. Die Klimakrise bedeutet für sie eine zusätzliche Last. Durch die Klimakrise häufen sich Katastrophen wie Hungersnöte, wodurch Menschen traumatisiert werden. Meistens sind Frauen diejenigen, die sich um diese Menschen kümmern müssen. Zugleich sind sie bei der Flucht vor den Katastrophen für die Familie verantwortlich, da sie oft die Rolle der Hausfrau innehaben und sich um ihre Familien kümmern müssen. Gleichzeitig fehlt ihnen, aufgrund ihrer globalen, strukturellen Unterrepräsentierung (16), häufig das Mitbestimmungsrecht.Wir haben den Anspruch, sexistische Strukturen (17) und antifeministische Tendenzen, zu bekämpfen, wo immer wir diese erkennen – besonders auch in unserer politischen Arbeit. 

Antifaschismus
Entweder leugnen Rechte den menschengemachten Klimawandel und greifen die Klimagerechtigkeitsbewegung verbal und physisch an, oder sie wollen rassistische Antworten auf die Klimakrise geben. Sie sabotieren gerechten Klimaschutz und handeln wider aller emanzipatorischen (18) Gründe , aus denen wir für die Klimagerechtigkeitsbewegung einstehen. Deshalb muss der Kampf für Klimagerechtigkeit aktiv antifaschistisch sein. Da der Klimawandel die Gerechtigkeitsfrage aufwirft, stellen wir uns gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck, der durch Parteien wie die AfD befeuert und durch sich häufende rechte Terroranschläge zum Ausdruck gebracht wird. Besonders die Normalisierung dieser rassistischen Partei, die den menschengemachten Klimawandel leugnet, sehen wir kritisch. Wir erteilen Nationalismus (19), Abschottung und Grenzregimen eine klare Absage! 

Frieden
Der Klimawandel führt zu Ressourcenknappheit und vertieft bereits bestehende Konflikte. Während in Europa Frieden herrscht, befeuern europäische Staaten durch Waffenexporte weiter Kriege. Dadurch verlieren viele Menschen ihre Lebensgrundlage und sind zur Flucht gezwungen. Konzerne wie Mercedes, Rheinmetall und Siemens profitieren nicht nur von der Waffenherstellung, sondern insgesamt von klimaschädlicher Industrie. Zusätzlich ist Krieg einer der größten Klimakiller, da fossile Brennstoffe verbraucht werden und die Natur in Kriegsgebieten nachhaltig zerstört wird.Nur in einer Welt, in der die Menschen in Frieden zusammen leben, ist Klimagerechtigkeit möglich. 

Klimagerechtigkeit
Als Fridays for Future Darmstadt verstehen wir uns als Teil der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung. Klimagerechtigkeit bedeutet für uns, international zu denken und weltweit mit Menschen in ihrem Kampf für eine ökologische und gerechte Welt zusammenzustehen. Dabei ist Intersektionalität (20) zu berücksichtigen: Verschiedene Diskriminierungsformen müssen zusammen gedacht werden. Wir müssen die von der Klimakrise stärker betroffenen Gruppen unterstützen und gemeinsam mit ihnen gegen diese Diskriminierung einstehen. Lasst uns die Kämpfe verbinden! Wir sind solidarisch mit allen Gruppierungen dieser Bewegung, die staatlichen Repressionen (21) ausgesetzt sind. Mit unserer Reichweite wollen wir vor allem den Menschen des globalen Südens eine Stimme geben, die schon heute massivst unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden und deren Situation sich in Zukunft noch verschlechtern wird. Während diese Menschen fliehen müssen, schotten sich Länder des globalen Nordens ab und verlagern ihre Emissionen in den Süden.Das Mindeste, was wir tun können, ist, diese Menschen aufzunehmen. Praktische Solidarität muss aber darüber hinaus gehen. Wir können nicht länger warten, bis die Regierungen handeln, sondern müssen selbst aktiv werden. Wir brauchen globale Lösungen, die sich in Form von Basisdemokratie äußern.Die Klimakrise kennt keine Grenzen – wir auch nicht.

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Glossar

(1) CO2-Budget: Bezeichnet die Menge an CO2-Emissionen, die wir Menschen produzieren dürfen, um nicht eine bestimmte Erderwärmungsgrenze zu überschreiten. Dieses Budget lässt sich auch länderspezifisch (mit Einwohner*innenzahlen) berechnen.
(2) Emissionen: Ausstoß von kleinen Teilchen, duch beispielsweise Verbrennung von Kohle oder Öl, die unter anderem in Form von CO2 die globale Erwärmung verursachen. Auch die Methangase der Fleischindustrie sind Emissionen.
(3) Marginalisierte Gruppen: Menschengruppen, die statistisch gesehen in der Minderheit sind, welche aufgrund dieser Minderheit an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden (Diskriminierung) und daraufhin nicht am wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilnehmen können.
(4) Prekarisierte Gruppen: Menschen, die ihre Lebenskosten nicht sicher decken können, wegen einer unsicheren Arbeitsstelle (z.B. Zeitarbeit), niedrigen Löhnen, Arbeitslosigkeit, usw. Wegen Vorurteilen sind oft marginalisierte Gruppen auch in einer wirtschaftlich prekären Lage.
(5) FLINT-Personen: Alle Menschen, die Frauen, lesbisch, intersexuell, nicht-binär und/oder transgender sind.
(6) Basisdemokratie: In dieser Demokratieform werden alle Entscheidungen auf kleinster Ebene getroffen (z.B. in der Nachbarschaft). Dadurch werden alle in den politischen Prozess miteinbezogen, ohne die Bevorzugung einiger Menschen in „höheren“ Positionen.
(7) Profite, profitorientiert: Ein Profit ist ein Gewinn oder Nutzen. Profitorientierte Geschäfte haben vorrangig das Ziel, Gewinn zu erlangen. Wie man an diesen Gewinn kommt ist häufig untergeordnet (z.B. mit klimaschädlicher Industrie).
(8) Konsum: Unter Konsum wird allgemein der Kauf, Verzehr oder Verbrauch von Sachen (z.B. Essen, Kleidung, Autos) verstanden, aber auch die Nutzung von Medien (z.B. Instagram, Youtube, Nachrichtenseiten).
(9) Globaler Süden: Länder, mit geringerer industrieller Entwicklung. Dort gibt es oft eine hohe Ungleichheit, mehr Armut und weniger Schulen. Diese Länder wurden oft in der Vergangenheit von Ländern des Globalen Nordens ausgebeutet und unterdrückt (Kolonialismus). Auch heute ist die Wirtschaft dieser Länder meist abhängig vom globalen Norden.
(10) Imperiale Lebensweise: Beschreibt die durch den alltäglichen Konsum einiger Menschen (meist im globalen Norden) auftretenden Folgen auf Gesellschaft und Natur (meist im globalen Süden). Dabei wird menschenunwürdige (harte, gefährliche, …) Arbeit ausgelagert, Ressourcen ausgebeutet und Natur zerstört.
(11) Globaler Norden: Länder, in denen sehr viel Technologie und Industrie angesiedelt ist, und die daher „reicher“ sind. Diese liegen geografisch gesehen überwiegend im Norden, allerdings gehören nicht alle Länder dazu, die nördlich des Äquators liegen.
(12) IPOC (Indigenous Person Of Color): Person of Color (POC) beschreibt einen Menschen, der aufgrund seiner Herkunft und Hautfarbe Rassismuserfahrungen erlebt. Der Teil „Indigenous“ berücksichtigt Menschen, die aus dem globalen Süden stammen und deshalb eine vielschichtigere Verbindung zu diesem Begriff besitzen. Indigene Völker haben sich schon früh für Naturschutz ausgesprochen, nachdem Menschen aus dem globalen Norden ihr Land geraubt und zum Beispiel den Regenwald für große Plantagen und Viehzucht genutzt haben. Trotzdem bekommen indigene Völker in der Moderne keine repräsentative Stimme.
(13) Menschen mit Migrationshintergrund: Personen, die selbst, deren Eltern oder Vorfahren aus einem anderen Land hierher gezogen sind.
(14) Rassistische Strukturen: In der Gesellschaft entsteht ein (möglicherweise) unbewusstes Bild von POC,   welches auf rassistischen Vorurteilen basiert. Dieses Bild setzt sich in der Gesellschaft durch, da es als Standard angesehen wird. Aufgrund der Annahme, dass die Mehrheit der „Norm“ entspricht, werden Stimmen von POC unterdrückt. Somit wird die Diskriminierung auf einer systematischen Ebene durchgeführt. Beispielsweise gibt es Polizist*innen, die bei Personenkontrollen gezielt zuerst auf POC zugehen (racial Profiling).
(15) Sorgearbeit: Auch als Care Arbeit bekannt. Hier geht es um Arbeit, bei der man sich um andere kümmert (z.B. auf die Kinder aufpassen, Angehörige pflegen). Oftmals wird diese als „Frauenarbeit“ betitelt. Dies ist jedoch klar sexistisch und zu vermeiden.
(16) Strukturelle Unterrepräsentierung: In der Politik und Wirtschaft sind wenige Frauen an Positionen, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Das liegt an sexistischen Vorurteilen, die es gegenüber Frauen gibt (z.B. „Frauen und Technik“), aber auch daran, dass sie oft wichtige Sorgearbeit leisten und sich deshalb nicht „hocharbeiten“ können. Strukturelle Unterrepräsentierung gibt es aber auch bei anderen marginalisierten Gruppen.
(17) Sexistische StrukturenIn der Gesellschaft entsteht ein (möglicherweise) unbewusstes Bild von FLINT, welches auf sexistischen Vorurteilen basiert. Dieses Bild setzt sich in der Gesellschaft durch, da es als Standard angesehen wird. Aufgrund der Annahme, dass dieses Bild der „Norm“ entspricht, werden Stimmen von FLINT unterdrückt. Somit wird die Diskriminierung auf einer systematischen Ebene durchgeführt. Ein Beispiel ist die Sorgearbeit, die meist wie selbstverständlich von Frauen druchgeführt wird.
(18) Emanzipation, emanzipatorisch: Emanzipation bedeutet, dass Menschen sich Freiheiten erkämpfen, die wegen ihrer Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts oder aus anderen Gründen unterdrückt werden.
(19) Nationalismus: Starke Identifizierung mit und Beschränkung auf das „eigene“ Land.Wenn Menschen stolz auf ihr Land sind und sich mit anderen Menschen dieser Nationalität mehr verbunden fühlen, als mit anderen. Durch das überhöhen der eigenen, werden oft andere Nationen „schlechter“ gesehen (Nationalchauvinismus). Ein Land könnte beispielsweise sich selbst bei Klimaschutzentscheidungen bevorzugen, indem es das eigene Wohlergehen über andere stellt und sich durch solche Entscheidungen als bessere Nation beim Thema Klimaschutz sieht.
(20) Intersektionalität: Das Zusammendenken von verschiedenen Diskriminierungsformen (z.B. Rassismus, Sexismus, Homophobie, Altersdiskriminierung). So werden zwar zum Beispiel Frauen im allgemeinen mit Sexismus diskriminiert. Aber eine Frau Of Color (12) erfährt zusätzlich noch Rassismus. Wenn diese Frau nun gegen beides zusammen kämpft, ist es intersektional.
(21) Repression: Wenn eine Gruppe von Personen gezielt unterdrückt wird. Ein Beispiel sind die Aktivist*innen, die im Amazonas gegen die steigende Abholzung kämpfen und oft verhaftet oder sogar ermordet werden.